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Mit viermal „Golden Score“ zu Bronze

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Hilde Drexler hat am Freitag in Istanbul viermal „Überstunden“ leisten müssen, ehe sie die Bronzemedaille bei der Judo-EM umgehängt bekam. Die 27-jährige Wienerin musste vier Siege im „Golden Score“ fixieren, um zu Bronze zu kommen. „Ich bin vielleicht im Kampf manchmal zu zaghaft, will nichts unnötig riskieren – so ist es halt ein paar Mal in die Verlängerung gegangen“, lacht die Samurai-Athletin aus Wien. Die ihre Bronzemedaille (auch) ihrem Wechsel nach Linz zuschrieb: „Bei Klaus-Peter Stollberg habe ich mich in eineinhalb Jahren gut entwickelt.“

Die „wilde Hilde“ sorgte somit erstmals seit 2007 wieder für eine ÖJV-Medaille in der Klasse bis 63 Kilo. Damals hatte ihre einstige Rivalin Claudia Heill in Belgrad Bronze geholt. Als Claudia noch aktiv war, konnten sich die beiden nicht recht schmecken. Schon damals sagte Drexler: „Ich will nicht in die Fußstapfen von Claudia steigen, sondern meinen eigenen Weg gehen.“ Nachdem Heill ihre aktive Laufbahn beendet hatte, wurde aus der Rivalität langsam aber sicher eine letztlich sogar enge Freundschaft. Als Hilde die Nachricht von Claudias Tod erhielt, brach sie zusammen. „Ich habe eine Woche lang nur geweint“, erzählt Hilde Drexler. „Ich bin auch nicht zum Begräbnis, weil ich es emotional nicht geschafft hätte.“ Erst vor nicht einmal eineinhalb Jahren ist Hildes Vater gestorben, im selben Spital und zur selben Zeit, als sie selbst wegen einer Kiefereiterung behandelt wurde. Wie schon tags zuvor bei Sabrina Filzmoser war Claudia Heill auch bei ihrem Wettkampf allgegenwärtig. „Man kann nicht den Schalter umdrehen und sagen: so, jetzt denk ich nimmer an Claudia – das geht einfach nicht.“ Aber vielleicht hat das „Jetzt erst recht“ Drexler sogar beflügelt – ähnlich wie bei „Sabsi“, bei der – wie sie selbst sagte – „ungeahnte Kräfte“ frei geworden waren.

Die erste große Medaille bedeutet Hilde Drexler viel. „Ich hab schon beim Weltcup in Oberwart gemerkt, dass ich heuer besser bin. Aber da hab ich das noch nicht umsetzen können. Hier in Istanbul ist mir alles aufgegangen.“ Einziger Wermutstropfen: die Niederlage im Semifinale gegen Anicka van Emden (Holland), die aber an diesem Freitag für Drexler zu stark war.

 

Scharinger trauerte vergebener Chance nach

Traurig über vergebenes Bronze bis 73 Kilo war Peter Scharinger. Viele Experten meinten, die im Bronze-Kampf gegen den Türken Hasan Vanlioglu letztlich gegen den Mühlviertler ausgesprochene Strafe kurz vor Kampfende sei zu früh gekommen und zu hart gewesen. Aber „Schares“ war nach seiner Yuko-Führung zu sicher, den Vorsprung über die Distanz zu bringen. Dennoch ist auch ein 5. Platz für Scharinger sein bisher größter Erfolg. „Eine ganz starke Leistung“, fand auch ÖJV-Cheftrainer Udo Quellmalz. Vor allem, wie Scharinger mit Dirk von Tichelt (Bel) den Europameister von 2008 in Lissabon, mit einem tollen Uchi-Mata (Innenschenkelwurf) Ippon bezwang, nachdem er schon fast aussichtlos zurück lag. „Das ist im Judo wie beim Tennis“, lachte Scharinger. „Aus ist es erst, wenn es aus ist.“ Mit dem Sieg über Kiyoshi Uematsa schaffte der Oberösterreicher ein weiteres Highlight in diesem Turnier. Schade nur um Bronze – so aber lebt die Olympia-Qualifikationschance für Peter weiter.

Nach dem zweiten Wettkampftag belegt Österreich im Feld von insgesamt 423 Judoka aus 45 Ländern mit je einmal Gold und Bronze den 6. Platz. Nur Frankreich hat schon zwei Goldmedaillen.

Am Samstag ist mit Max Schirnhofer (JU Flachgau / bis 90 Kilo) der letzte der sieben ÖJV-Athleten an der Reihe. Beim sonntägigen Teambewerb ist Österreich nicht vertreten.

Bericht: Josef Langer

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