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2014: „Erfreulich, dürfen uns aber nicht blenden lassen“

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Hans-Paul-kutschera-GEPAÖJV-Präsident Hans Paul Kutschera zieht im Weihnachts-Interview eine Bilanz unter das Jahr 2014, welches einen guten Start in die Olympia-Quali sowie einen Dämpfer bei der WM sah.


Mit dem Jahr 2014 endet in etwa auch das erste Drittel der Qualifikation der Olympischen Spiele 2016 in Rio. Ein Drittel, das für Österreichs Judoka recht zufriedenstellend verlaufen ist. Würde heute die Olympia-Quali enden, würde Rot-Weiß-Rot in Rio in sechs Gewichtsklassen (-60, -81, +100, -57, -63, -70) Kämpfer stellen. Da die heiße Phase der Quali erst nach der diesjährigen EM beginnt – ab da zählen die Punkte für die Quali dann 100 und nicht mehr nur 50 Prozent – ist das freilich kein Grund für verfrühten Jubel, dennoch darf es als Bestätigung des bisher beschrittenen Weges gesehen werden.


Diese gute Ausgangsposition schuldet dem rasanten Anstieg an Podestplätzen bei Grand Prix‘ und Grand Slams. Wie jüngst bereits von uns thematisiert wurde, konnten 2012 deren vier, 2013 deren acht und heuer deren 21 (!) erkämpft werden.


Weitere Zahlenspiele


In der Weltrangliste beenden mit Sabrina Filzmoser, Bernadette Graf (beide 5.) und Kathrin Unterwurzacher (6.) drei ÖJV-Asse das Kalenderjahr in den Top-Ten. Die beiden Erstgenannten zeichneten heuer auch für unsere zwei Bronze-Medaillen bei der EM in Montpellier verantwortlich. Filzmoser, die in Baku den Grand Slam gewann, landete bei all ihren Starts unter den besten Sieben. Einzige Ausnahme: Der Grand Slam in Tokio, wo sie in der ersten Runde an keiner Geringeren als der aktuellen Olympiasiegerin Kaori Matsumoto (JPN) scheiterte.


Als sportlicher Dämpfer des Jahres bleibt die WM in Chelyabinsk mit zwei siebten Plätzen in Erinnerung. Im großen Bilanz-Gespräch macht ÖJV-Präsident Hans Paul Kutschera einen Rückblick auf das Geschehene sowie einen Ausblick auf das, was kommt:


Frage: Wie fällt Ihre Bilanz für 2014 aus?


Hans Paul Kutschera: Wie ein Blick auf die Punkte beweist, können wir mit dem Start in die Olympia-Qualifikation zufrieden sein. Auch wenn die Tendenz vom Anstieg bei den Grand-Prix-Podestplätzen erfreulich ist, dürfen wir uns davon nicht blenden lassen. Denn die wahren Gradmesser mit Blick auf die Olympischen Spiele sind Weltmeisterschaften sowie Grand Slams, was uns auch das ablaufende Jahr wieder gezeigt hat. Nur bei WM oder den Grand Slams speziell in Paris und Tokio ist das Niveau ähnlich hoch wie bei Olympischen Spielen. Und bei diesen großen Turnieren haben wir uns zuletzt nicht nach vor entwickelt. Diesen Schritt erhoffe ich mir für das nächste Jahr.


Frage: Wie sind die vielen Grand-Prix-Medaillen einzuordnen?


Kutschera: Mittlerweile gibt es so viele Grand-Prix-Turniere, dass deren Besetzung oftmals nicht so stark ist. Vor 20 Jahren, als es nur ein paar Weltturniere gab, war das noch etwas anderes. Heute ist fast jedes Wochenende irgendwo ein Turnier. Sicherlich ist es erfreulich, dass wir bei diesen anschreiben, dennoch dürfen wir das Wesentliche nicht aus den Augen verlieren.


Frage: Wenn es um das neu-installierte „Team 2020“ geht, gibt es unter Sportlern und Trainern noch einige Unklarheiten. Wie weit ist man mit der Konkretisierung bereits gekommen?


Kutschera: Es hat bereits Gespräche zwischen „Team 2020“-Verantwortlichen und verschiedenen Stützpunkt-Trainern gegeben. In Mittersill hoffen wir dann weitere Konkretisierungen präsentieren zu können. Dem möchte ich an dieser Stelle aber nicht vorgreifen. Außerdem ist im Vorstand nun Manfred Hausberger für den Bereich Leistungssport Männer verantwortlich. Er übernimmt die Agenda von Thomas Haasmann.


Frage: Das Projekt heißt „Team 2020“ – wird mit den verantwortlichen Trainern über 2016 hinaus geplant?


Kutschera: Die Verträge laufen einmal bis Ende 2016. Dann wird man weitersehen müssen, schließlich weiß ich noch nicht, ob es mich dann noch als ÖJV-Präsidenten gibt. Meine Amtszeit endet ja 2016.


Frage: Würden Sie gerne vier weitere Jahre dranhängen?


Kutschera: Aus heutiger Sicht ja.


Frage: Wie sieht die sportliche Zielsetzung für 2015 aus?


Kutschera: In einem Jahr vor Olympischen Spielen bist du in der Vergangenheit immer an Medaillen gemessen worden – und das wird auch diesmal so sein. Wir haben einige sehr gute Kämpfer, doch je näher es Rio geht, desto mehr müssen sie beweisen, dass sie nicht nur sehr gut, sondern weltspitze sind. Abseits davon möchte ich sowohl am Kampfrichter-, als auch am Trainer-Sektor Fortschritte realisieren.


Frage: Neben der EM in Glasgow und der WM in Astana gibt es heuer einen weiteren Groß-Event. Zum ersten Mal werden in Baku Olympische Europaspiele ausgetragen. Welchen Stellenwert haben die für den ÖJV?


Kutschera: Einen ähnlichen wie beispielsweise eine Militär-WM, was bedeutet, dass wir auf alle Fälle eine starke Mannschaft entsenden werden. Da die Spiele während der Olympia-Quali stattfinden, es allerdings keine Quali-Punkte dafür gibt, ist aus heutiger Sicht noch nicht 100-prozentig klar, wer von uns dort starten wird. Nichtsdestoweniger ist der Titel ‚Europäischer Olympiasieger‘ ein sehr schöner.


Frage: Als zuletzt bekannt wurde, dass der ÖJV die Kimonoregeln, welche die IJF ab 2015 einführt, mit einer Übergangsfrist von einem Jahr ab 2016 übernimmt, wurde auf sozialen Plattformen Kritik laut. Wie war diesbezüglich die Entscheidungsfindung im ÖJV?


Kutschera: Prinzipiell möchte ich als Verband vom Regulativ her immer up to date sein, allerdings wissen wir sehr wohl, dass mit einer Umstellung finanzielle Aufwendungen verbunden sind. Durch die Übergangsfrist hoffen wir, die Kosten etwas abzufedern. Wie zum Beispiel im Jugendbereich, wo viele Kinder schon alleine wegen ihres Wachstums innerhalb eines Jahres einen neuen Kimono brauchen. Diese haben dann die Gelegenheit, die Anschaffung gleich mit der Umstellung auf die neue Regel zu verbinden.


Frage: Die Kritik an den Kimonoregeln ist kein österreichisches Spezifikum. Sind diese Vorwürfe bereits in der IJF ein Thema?


Kutschera: Ja, die sind mittlerweile in der IJF angekommen. Von daher glaube ich nicht, dass es weitere Kimono-Regeln gibt.


Frage: Wie lauten Ihre Vorsätze für 2015?


Kutschera: Abseits der bereits erwähnten sportlichen Ziele sowie meiner persönlichen Vorsätze möchte ich an einer Optimierung der elektronischen Abwicklung im ÖJV-Büro arbeiten.

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